Barocktanz

Danza Antica, mit einem Repertoire, das sich mehrheitlich im Zeitraum des Hochbarock bewegt (1650 – 1720), tanzt vor allem französische Barocktänze und englische Country Dances, primär Gesellschaftstänze.  

Englische Country Dances

Diese zeichnen sich dadurch aus, dass grundsätzlich Figuren im Raum geschritten werden. Damen und Herren stehen sich in einer Gasse gegenüber (longways): Herren links, Damen rechts. Merken kann man sich das so, dass die Herren links einen (echten oder imaginären) Degen tragen, so dass die Damen auf der anderen Seite stehen (müssen). 

Von dieser Grundposition aus werden paarweise mit dem eigenen Partner oder dem Kontrapartner Figuren abgeschritten: vorwärts, rückwärts, aufeinander zu, voneinander weg, sich voneinander auswendend, kreuzend, Platz wechselnd, etc. 

Figuren heissen z.B.: Lead up, fall back; first corners, second corners; cast up, cast down; turn single…. Diese Figuren tauchen in fast allen Tänzen auf. Eine Beschreibung der Tänze findet sich in der berühmten Sammlung von John Playford, The English Dancing Master. 1651 erstmals publiziert, sind hier über Jahrzehnte in immer neuen Editionen und Folgebänden über 500 Tänze zusammengetragen, nach deren Beschreibung damals halb Europa und wir jetzt noch tanzen. Die Playford Site enthält auch ein Glossar.

Französischer Barocktanz

Cotillons, Quadrilles, Contredanses und mehr – Frankreich war zur Zeit des Barock führend in Europa, was Tänze, aber auch die Mode, anging. Von Versailles aus wurden Tänze und Moden an die anderen Höfe verbreitet. Louis XIV war selber von jung an ein begeisterter Tänzer. Er nutzte den Tanz als Kontrollinstrument an seinem Hof. Tägliches, stundenlanges Training hielt die Höflinge beschäftigt und liess ihnen keine Zeit, an Rebellion zu denken. Ihr tänzerisches Können beeinflusste auch ihren Rang am Hof, was zusätzliche Motivation darstellte. 

Anders als bei den englischen Tänzen waren die Choreographien einfacher, dafür der Stil wichtig. Es wurde nicht einfach geschritten. Die richtige Körperhaltung und die Position der Arme und Beine waren grundlegend: „Opposition“ als unabdingbares Prinzip (also rechte Hand und linker Fuss und umgekehrt, nie Passgang), die ausgedrehten Füsse (wie eine erste Position im Ballet, umgesetzt von Anfängern) und „Port de bras“, die Armbewegung als Voraussetzung für Eleganz. Nicht umsonst ist der französische Barocktanz Vorläufer des Ballet. 

Glücklicherweise gilt das 80/20 Prinzip: 80% des französischen Stils erreicht man bereits, wenn man dazu auch noch die 3-4 wichtigsten Schritte kennt: Fleuret/Pas de bourrée, Demi Contretemps (Hüpfschritt), Pas de Gavotte und Coupé assemblé. Wer das beherrscht, kann schon fast in Versailles mit dem König mit- bzw. ihm vortanzen. Wer zudem noch Rigaudon, Pas Glissé und Pas Chassé beherrscht, dem ist der Aufstieg fast sicher.

Ein kleines Schritt-Tutorial auf YouTube: Dancing in the Garden: Basic steps in Baroque Dance. Grundsätzlich bewegt man sich stilgerecht in dieser Art.

Ein Abhandlung darüber, ob nun Fleuret und Pas de Bourrée wirklich derselbe oder zwei unterschiedliche Schritte sind: The pas de fleuret – forgotten & misinterpreted.

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